Wurgwitz mit Niederhermsdorf und Kohlsdorf (eingemeindet 1973)


Im Jahre 1921 vereinigten sich die Gemeinden Niederhermsdorf und Wurgwitz mit Kohlsdorf und Hammer zur Gemeinde Wurgwitz. Damit schlossen sich zwei Orte mit langer Geschichte zusammen. Bereits 1071 wird Hermani Villa/Hermsdorf in einer Urkunde des Bistums Meißen genannt. Dieser heutzutage unscheinbare Ortsteil geht auf eine frühstädtische Gründung zurück und ist anders als alle anderen Freitaler Ortsteile nicht bäuerlicher Herkunft.

Ein Ritter „Hermanus de Worganewitz“ wird 1206 mit dem gleichnamigen Dorf an der „Steinleite“ belehnt. Kohlsdorf wird 1450 erstmals erwähnt, seinen Namen erhielt der Ort jedoch nicht von den gleicherorts zu Tage streichenden Kohlenflözen, sondern von den zahlreichen Quellen der Gegend. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts begann durch den Gutsbesitzer Brendel der Abbau von Steinkohle.

Die Gründungszeit des kleinen, im Tal zwischen Kohlsdorf und Wurgwitz gelegenen Ortes Hammer liegt im Dunkel der Geschichte, genau wie die Eingemeindung zu Kohlsdorf. Der Ortsname, der Hammerbach und sein Teich, einst Staugewässer zum Wasserradantrieb eines Kupferhammers, zeugen von einem frühindustriellen Standort, an dem Erzabbau und Verarbeitung nahe beieinander lagen. Der Steinkohlenbergbau und die industrielle Entwicklung im Döhlener Becken veränderte auch die ländlichen Strukturen der Gemeinden. Aus den Bauerndörfern erwuchsen Arbeiterwohnsitz-Gemeinden. In den Jahren 1886-1888 wurde die Kleinbahnstrecke durch den Ort Wurgwitz nach Wilsdruff gebaut. Dabei hatte die Strecke als Besonderheit bis zum Albertschacht in Niederhermsdorf ein drittes Gleis, welches die Strecke als normalspurige Eisenbahn auswies. Nach der Vereinigung von Wurgwitz und Niederhermsdorf setzte umfänglicher Siedlungsbau für die Arbeiter der nahegelegenen Freitaler Industrie ein. Diese neuerwachsene Bewohnerschaft prägte das politische Selbstverständnis des Ortes und sorgte für dessen sozialdemokratisch orientiertes Vereinsleben. Die Zeit des Nationalsozialismus veränderte den Ort politisch kaum. Nach Kriegsende änderte Wurgwitz in vielerlei Hinsicht sein Gepräge. Der Steinkohlenbergbau wurde 1952 eingestellt. Ein bescheidener Wohnungsbau setzte wieder ein und Handwerker siedelten sich an. Die zunehmende Motorisierung des Personen- und Lastverkehrs machte der Kleinbahn Konkurrenz, so dass sie 1971 stillgelegt und dafür Omnibus-Verkehr eingesetzt wurde. Die Gemeinde Wurgwitz wurde 1973 der Stadtflur von Freital einverleibt.

Nach der politischen Wende von 1989 erhielt Wurgwitz mit dem Bau des Solar Parkhotels und eines Betonsteinwerkes wieder größere Bedeutung im Gefüge der heutigen Großen Kreisstadt Freital. 

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Wurgwitzer Rathaus
Rad- und Wanderweg nach Kesselsdorf

Hammerteich

Autor: Juliane Puls/Prof. Alfons Wätzig